Schon fast 6

Nächste Woche wird Anna Xing sechs Jahre alt. Unglaublich, wie das kleine Bündel, das wir von 5 Jahren in die Arme gelegt bekamen, wächst und sich entwickelt.
Derzeit tut sich so viel bei Anna Xing, dass sie oft sehr müde und erschöpft ist. Natürlich, es ist Juni und auch für Kindergartenkinder ist ein „Schuljahr“ lang und anstrengend. Besonders für Anna Xing, die ja so nebenbei auch noch ihre Termine bei der Ergotherapeutin und Logopädin hat und zuhause wird auch immer wieder mal geübt und trainiert. Und da sie jetzt einfach so viel mehr versteht und hört und mitbekommt, hat sie auch so viel mehr, was sie dann verarbeiten muss und das strengt sie an.
Und natürlich geht sie immer noch Ballet und Anfang Juli ist wieder die große Aufführung. Ob sie allerdings nächstes Jahr auch noch gehen wird, ist unklar. Derzeit geht sie eher aus Pflichtgewusstsein denn weil es ihr Spaß macht.
Dafür reitet sie umso lieber. Sie scheint auch ein echtes Naturtalent zu sein – sagt ihre Reitlehrerin und ich bin immer ganz weg, wie es meiner kleinen Maus gelingt das große Pferd dazu zu bringen zu tragen oder auch stehen zu bleiben – nach 12 Reitstunden. In diesen Stunden ist Anna Xing höchst konzentriert. Sie hört (trotz Nebengräuschen) was die Reitlehrerin anschafft und führt alles gewissenhaft aus. Kein Blödeln oder Anderswohinschau (wie bei den anderen Kindern oft). Sie will reiten und sie tut es supertoll!
Nur leider geht sie derzeit nicht gerne in die Kindergruppe. Einerseits eben weil sie doch erschöpft ist und andererseits aufgrund dieser ewigen „Freundinnen“-Diskussion. „Du darfst nicht mehr meine Freundin sein“ – diesen Satz hört man dort oft am Tag. Während Eva Dora sowas überhaupt nicht ernst nimmt, trifft so ein Satz sie, vor allem wenn er von ihrer besten Freundin kommt, tief. Sie lässt es sich in der Kindergruppe jedoch nicht anmerken sondern weint sich dann bei mir aus oder aber sagt gar nichts sondern ist einfach „unrund“. Zusätzlich dazu ist sie derzeit auch sehr dünnhäutig und braucht oft die Versicherung geliebt zu werden. Ist ja auch verständlich bei all den Veränderungen und Entwicklungen die sich rund um sie und in ihr jetzt abspielen.
Zuhause ist sie ein sehr ausgeglichenes Kind. Heute haben die beiden Mädls wirklich stundenlang miteinander, ohne zu streiten, gespielt. Rollenspiele, Puppenspiele, Drachen, Zirkus…es war einfach toll sie manchmal zu beobachten und zu merken, wie gut sie miteinander können. Meist schafft Anna Xing Eva Dora genau an, was diese zu sagen hat – und die tut es auch.

Eva Dora geht es gut. Sie ist ein starkes Kind. In ihrem kleine Körper steckt genug Temperament, Willensstärke und Selbstbewusstsein für ein ganzes Universum. Derzeit braucht sie es, dass sie erfährt wo die Grenzen „ihres“ Universums sind und es ist nicht immer einfach für uns, da ganz ruhig und gelassen zu bleiben. Ein „Nein“ versteht sie als „vielleicht ja oder auch nein“ – was manchmal zu gefährlichen Situationen führt wie wenn sie den Finger in die STeckdose stecken will und auf ein Nein eben nicht reagiert oder es als Aufforderung, weiter zu machen, interpretiert.
Wunderbar an Eva Dora finde ich, dass sie so ein Genußmensch ist. Sie liebt es, sich streicheln zu lassen. Sie mag es auch sehr, gekitzelt zu werden oder was auch immer. Wie die Ergotherapeutin mal über sie sagte: „sie braucht und verträgt intensive Reize gut und kann sie auch gut verarbeiten.“ Wenn ich Anna Xing den Rücken genauso fest abklopfe wie Eva Dora dann schreit Anna Xing darüber, wie fest ich zuhaue. Eva Dora liegt ruhig, genießt, lacht und verlangt nach mehr und zieht Genuß daraus.
Sie ist einfach meine außen kleine, innen rießengroße Genußmaus.

Ich bin schon so gespannt, was aus unseren Mädls später mal wird. Ich hoffe nur es gelingt Einar und mir so lange als möglich Schmerz und Verletzungen von ihnen fern zu halten.

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