Schulalltag

Und plötzlich ist es Mitte November. Verging die Zeit mit 2 Kindergartenkindern rasch, dann vergeht sie jetzt noch viel schneller. Die Tage sind sehr ausgefüllt.
Da auch Einar in der Früh früher aufsteht, geht es sich halbwegs gut aus, dass ich an 3 Tagen in der Woche schon um 6:45 aus dem Haus gehe und die 1. Stunde in Ried unterrichte. Dafür bin ich nie länger als bis um 12.10 im Unterricht – und kann früher daheim sein, wodurch Anna Xing möglichst kurz im Hort bleiben muss. Denn dort gefällt es ihr nur mäßig gut, was ich angesichts des unansprechenden Raumes und der eher strengeren Aufsichtsperson gut verstehen kann.

Okay, nun mal genauer zu den Mädls.
Anna Xing hat den Schulanfang wirklich gut verkraftet. Und das, obwohl in ihrer Klasse einige SEHR schwierige Buben sind, die viele Schimpfwörter verwenden, laut sind, viel streiten und auch körperliche Auseinandersetzungen suchen. Anna Xing aber lassen sie relativ in Ruhe. Die Lehrerin berichtet mir, dass Anna Xing einfach eine sehr ruhige und souveräne Art hat mit den Buben umzugehen. Ich glaube, sie geht ihnen teilweise aus dem Weg. Aber ich höre auch, dass sie manchmal dazwischen geht und den Buben sagt, dass sie nicht streiten sollen – und die respektieren das. Ich muss mich schon sehr über meine „Kleine“ wundern, sie entwickelt immer mehr persönliche Stärke, einfach toll. Und ansonsten schwebt sie auf der rosaroten Wellte dahin, sie geht praktisch jeden Tag als rosarote Prinzessin in die Schule, was sicher auch hilft.
Die Schule gefällt ihr immer noch, sie mag beide Lehrer (Klaus und Dagi) und saugt neues Wissen, Können auf wie ein Schwamm. Sie scheint eine richtige „Reinbeißerin“ zu sein, denn leicht fallen ihr einige Dinge wie das Zusammenlauten oder das Heraushören von Buchstaben aus Wörtern sicher nicht. Aber sie WILL und daher tut sie es auch und gewinnt. Und da sie wenig Hausaufgaben hat, bleibt genug Zeit um sich das zu erarbeiten, was ihr wichtig ist. So verbringt sie einige Zeit pro Tag vor dem Rechenprogramm und/oder dem Leseprogramm oder sie versucht, neue Wörter (Arielle Spiegel z.B.) zu schreiben und da plagt sie sich gerne eine halbe Stunde lang hochkonzentriert ab.
Sie wirkt im Ganzen jetzt erwachsener, reifer, hat offenbar einen großen Schritt gemacht und ist auch gewachsen.
Und natürlich geht sie alleine von der Schule nach Hause, das ist ihr sehr wichtig. Und natürlich hat sie jetzt einen Haustorschlüssel – obwohl eh immer jemand da ist, wenn sie kommt. Aber sie ist eine Große und braucht sowas!
Sie ist so groß, dass sie nichteinmal mehr auf die Geburtstagsfeier von Steffi, einer Kindergartenfreundin, gehen wollte. Sie ist kein Kindergartenkind mehr und Steffe geht nicht in ihre Klasse – das waren ihre Begründungen. Offenbar braucht sie diese klare Trennung, um die vielen neuen Freunde aufnehmen zu können. Und neue Freunde gibt es – auf einmal auch Buben – daran muss ich mich erst gewöhnen. Auch daran, dass sie Marcel „liebt“ und heiraten wird. Aber: sie will kein Baby im Bauch haben, sondern sie will später mal adoptieren – das war ihr ganz wichtig, von diesem Weg zu wissen. Ich glaube, die Vorstellung, dass etwas in ihrem Bauch sein könnte, ist ihr unheimlich.

Eva Dóra hat sich wieder halbwegs erfangen. Sie hat den Schuleintritt von Anna Xing viel schlechter verkraftet als ihre Schwester. Oder eigentlich die Tatsache, dass sie nun „alleine“ in der Kindergruppe ist. Das muss bei ihr alte Verlassenwerdenängste heraufgespült haben. Sie hat sich über Wochen jeden Tag in der Früh an Einar, der sie in die Kindergruppe bringt, geklammert und geweint und gebettelt, dass er dableiben solle. Sobald er weg war, hat sie sofort ruhig und fröhlich gespielt – sie ist ja sehr gerne in der Kindergruppe und ist dort auch bestens integriert.
Jeden Abend war es ein Drama, weil sie sich „alleine“ im Bett fürchtet – Anna Xing liegt einen Meter von ihr entfernt. Sie wollte, dass ich ihr die Hand halte, bei ihr bleibe. Ich konnte es so lösen, dass ich im Badezimmer war oder im Spielzimmer (dort kann ich aufräumen), musste aber möglichst in der Nähe sein. Oft hat sie sich absichtlich wach gehalten, um regelmäßig nach uns rufen zu können und zu hören, dass wir da sind.
Sie war auch untertags sehr anhänglich – besonders auch an ihre Schwester.
Langsam wirds besser und ich versuche auch, ihr möglichst viel Zeit alleine / mit voller Aufmerksamkeit zu geben. Denn es ist schon so, dass Anna Xings Tagesablauf mehr Aufmerksamkeit von mir erfordert als Eva Dóras. Ich versuche jetzt, sie so viel einzubinden wie möglich, gebe ihr auch (leichte) Aufgaben und sie bekommt auch ein Pickerl dafür.
Toll ist, sie beim Schneiden mit der Schere zu beobachten. Sie ist eigentlich offensichtlich Rechtshänderin, schneidet aber mit der linken Hand, was absolut schräg aussieht und mit einer „rechtshändigen“ Schere auch gar nicht so leicht ist. Aber sie schneidet superschön. Und sie ist ganz toll und geschickt beim Ausmalen.
Wirklich interessant. Anna Xing hat erst jetzt begonnen, auszumalen. Dafür hat sie immer tolle Figuren gemalt, einfärbig. Eva Dóra malt kaum Figuren, dafür malt sie gerne Vorlagen aus und das auch schön bunt.

Gemeinsam sind sie einfach toll derzeit und genießen vor allem am Wochenende die freie Zeit um MITEINANDER zu spielen. Da werden die Barbiepuppen gebadet und es müssen deren Haare gewaschen (und geschnitten) werden. Es wird Tee gekocht oder aus Zeitungen Figuren ausgeschnitten. Und viel Zeit verbringen sie auch mit Rollenspielen. Anna Xing wird mal Regisseurin und Eva Dóra Schauspielerin, daran besteht kein Zweifel mehr. Wobei Anna Xing oft auch einen tollen Ausdruckstanz hinlegt. Aber man muss gesehen haben, wie Eva Dóra den sterbenden Mufasa (König der Löwen) spielt oder die Szene, in der Mufasa verzweifelt versucht, eine steile Wand hinaufzuklettern. Einfach beeindruckend.

So, jetzt muss ich wieder arbeiten, diese Korrekturen von Schularbeiten sind so ziemlich das Allerletzte!

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